Agrarallianz Schweiz
5. September 2022

Gemeinsam Reisen bildet und verbindet

Die 22 Teilnehmenden der Agrarallianz-Studienreise posieren mit dem Team von Agropôle, dem CEO von Clean Greens und der Direktorin vom Swiss Food and Nutrition Valley SFNV in Molondin VD für ein Gruppenfoto.

Wie geht die Land- und Ernährungswirtschaft mit Veränderungen und mit Erneuerungen um? Wie werden Trends von Innovationsdenkerinnen und -denkern gestaltet und genutzt? Was heisst das für den Handel, für die Lebensmittelindustrie und letztlich für die agrarpolitischen Rahmenbedingungen? Dienen die Trends der ganzen Agrar- und Lebensmittelbranche dazu, die gesellschaftlichen Ziele zu erfüllen? Diese und weitere Fragen haben Teilnehmende der Agrarallianz-Studienreise am 25. und 26. August 2022 diskutiert.

6 Erkenntnisse Innovation in der Land- und Ernährungswirtschaft: 6 Erkenntnisse

  1. Im Ernährungsbereich wird fleissig und motiviert an der Weiterentwicklung gearbeitet. Das Ziel der gesunden und nachhaltigen Ernährung führt dabei zu zahlreichen Firmengründungen; sehr oft mit engem Bezug zur Industrie und zur Forschung. Der Einbezug der Landwirtschaft ist dabei nicht immer selbstverständlich und muss immer wieder aufs Neue gefordert, gefördert und entwickelt werden.
  2. Innovationen sind Mittel zum Zweck. In jedem Fall dienen Innovationen dazu, die ökologische, ökonomische und die soziale Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu verbessern. Innovatorinnen und Innovatoren handeln sowohl wirtschaftlich als auch ideell motiviert und wählen die für sie passenden Instrumente; Politik und Zivilgesellschaft können diese beeinflussen nicht aber vorwegnehmen.
  3. Der Fokus liegt (zu) stark auf technologiebasierte Innovationen. Entwicklung und Anwendung neuer Technologien bieten interessanten Stoff für Geschichten (von Frankenfood bis Superfood) und stehen oft im Vordergrund. Die technologiefokussierte Perspektive auf die Weiterentwicklung vernachlässigt Innovationen in Bezug auf die Art und Weise der Zusammenarbeit, Ideengewinnung und -Entwicklung.
  4. Proteinalternativen sind disruptive Innovationen. Sie führen Nichtkonsumenten (Fleischesser) an vegetarische Ernährungsweisen heran. Sie sind nach heutiger Beurteilung günstiger (und in vielen Fällen noch weniger schmackhaft) als Fleisch. Die Konsequenzen lassen sich nur schwer abschätzen; Fleischbranche und Tierhaltung müssen diesen Trend als Chance (etwa: neue Positionierung im Sinne von weniger, dafür besseres Fleisch) sowie Risiko (u.a.: Marktanteilsverluste) in ihrer Weiterentwicklung berücksichtigen, können sich dem Trend aber nicht länger verschliessen.
  5. Politische Eingriffe sind bisher zufällig und willkürlich. Eingriffe in die Märkte insbesondere in Bezug auf die Förderung einzelner Kulturen/Massnahmen sind willkürlich und zufällig. Das gilt auch für die Förderung der pflanzlichen Proteine. Eine Proteinstrategie fehlt; immerhin gibt es einen Bericht zum Umgang mit Proteinen aus pflanzlichen Quellen (Hier direkt vom BLW herunterladen).
  6. Entscheidend ist die Umsetzung. In knapp 50 % der Fälle müssen sich die Projektträger mit dem Abbruch der innovativen Tätigkeit beschäftigen (Buser 2006, S. 141). Bei Firmengründungen gilt die Hausnummer, dass 50% der Firmen die ersten 3 Jahre nicht überstehen. 75% der Unternehmen sind nach 5 Jahren nicht mehr im Markt tätig. Vorne dabei sein wird, wer genug früh die schlechten Konzepte und Ideen aussortiert und Marktanteile gewinnen kann. Das schafft Chancen für agile und dynamische Marktakteure.

Bonus: Es wirkt unglaublich motivierend und verbindend, nach vorne zu blicken und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Auf der Studienreise besuchte Unternehmen

New Roots: Die vegane Molkerei mit Sitz in Oberdiessbach BE stellt seit 2015 Käse ohne Milch her. Hinter der Firma stehen Freddy Hunziker und Alice Fauconnet und die Überzeugung, dass auch ohne Milch authentische Käse hergestellt werden können. 👉 Mehr zur Firma unter www.newroots.ch.

HAFL: Die Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen BE ist ein Kompetenzzentrum für die Land- und Ernährungswirtschaft, bietet Bachelor-Studiengänge in Agronomie, Lebensmittelwissenschaften und Waldwissenschaften an und ist im Bereich der Masterstudiengänge interdisziplinär unterwegs. Und interdisziplinär ist auch die Forschung. 👉 Mehr zur HAFL unter www.hafl.bfh.ch.

BLW: Das Bundesamt für Landwirtschaft hat die Innovationshoheit über die Schweizer Agrarpolitik und kann am besten mit deren Komplexität umgehen. 👉 Wie das aussieht, zeigt die Website: www.blw.admin.ch.

Micarna: Die Metzgerei mit Sitz in Bazenheid SG und Courtepin FR gehört zum Migros Genossenschaftsbund MGB und ist eine der grössten Metzgereien in der Schweiz. Für den grössten Teil der Firmengeschichte hiess es «Wir sind Fleisch!». Jetzt heisst es «Wir sind Protein!». 👉 Mehr zur Firma unter www.micarna.ch.

Agropôle: Agropôle ist ein Campus «für die nachhaltige Ernährung von morgen» mit Sitz in Molondin VD. Die Organisation versteht sich als Bindeglied zwischen neuen Lösungen und dem Markt (den Anwendermärkten) und führt Akteure aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft zusammen.👉 Mehr zum Campus unter www.agropole.ch.

AGROPRO SA: Agropro produziert ökologische Felderzeugnisse unter dem Siegel Bio-Knospe und biologisch-dynamisch unter dem demeter-Siegel. Neben Gemüse, mit dem Schwerpunkt Kartoffeln und Zwiebeln produziert Agropro Getreide und Ölfruchte. Am Standort Granges-de-Vesin betreibt die Gesellschaft zudem ein Lagerhaus mit Aufbereitungslinien für die Feldprodukte. 👉 Mehr zum Betrieb: www.agropro.ch

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