Agrarallianz Schweiz
12. Mai 2020

Res Stalder: „Wir brauchen die AP 22+ jetzt“

Die Rückweisung der Agrarpolitik 2022+ ist für IP-SUISSE-Präsident Andreas Stalder keine zukunftsfähige Strategie. Der IP-SUISSE-Präsident legt in einem Gastbeitrag in der BauernZeitung dar, warum er Reform unterstützt.

Hier können Sie den Beitrag auf der Seite der BauernZeitung nachlesen

Der Gastbeitrag im Wortlaut: Die Agrarpolitik 2022+ (AP 22+) ist nicht perfekt. Die Vorlage ist komplex, ihre Wirkung können wir erst später abschliessend beurteilen. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Botschaft Mängel hat. Mängel, die der Bauernverband zu Recht korrigieren will. Dafür aber die Botschaft zurückzuweisen, ist unnötig und kontraproduktiv.

Erstens wollen und können wir unsere Verantwortung wahrnehmen, das Tierwohl in der Schweizer Landwirtschaft stärken, im Einklang mit der Natur arbeiten und Produkte herstellen, die Konsumentinnen und Konsumenten satt und zufrieden machen. Selbstverständlich ist es schwierig, all die verschiedenen Ziele unter einen Hut zu bringen und allen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber wir müssen es immer wieder versuchen und Schritt für Schritt nach vorne gehen. Der Handlungsbedarf ist nämlich ohne Zweifel da: Beim Insektensterben, beim Trinkwasser, in den Absatzmärkten im In- und Ausland.

Zweitens macht uns der Bund mit der AP 22+ ein Angebot für die selbstbestimmtere Entwicklung unserer Höfe – und diese Dynamik brauchen wir jetzt; diese Dynamik wird in den Modellen immer unterschätzt. Wir wollen Lebensmittel produzieren, die am Markt erfolgreich sind, Umwelt und Tierwohl schützen und auf unseren Betrieben Wertschöpfung schaffen. Damit werden die Versorgung der Bevölkerung und die Einkommen der Landwirte viel besser gesichert, als es Modelle voraussagen können.

Drittens ist die AP 22+ zusammen mit dem Absenkpfad Pestizide die glaubwürdige Antwort auf die Pestizidverbots- und auf die Trinkwasser-Initiative. Der Bund unterstützt uns dabei auf unserem Weg zu einer auf die Markt- und Konsumentenbedürfnisse ausgerichteten Landwirtschaft.

Mit den Produktionssystembeiträgen wird der gezielte Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, die Reduktion von Ammoniakemissionen und die Verbesserung der Tiergesundheit unterstützt. Mit der AP 22+ können wir Leistungen erbringen, für die es bisher keinen Markt gegeben hat. Davon profitieren die Tiere, die Umwelt, der Handel, die Konsumentinnen und Konsumenten und nicht zuletzt die Landwirtinnen und Landwirte.

Mit der Rückweisung würde diese wichtige Antwort fehlen. Die Verwaltung müsste wieder von vorne anfangen und eine neue Botschaft schreiben – und wir wissen heute nicht, ob die überarbeitete Botschaft dann so viel besser ausfallen wird. Die Rückweisung an den Bundesrat ist hoch riskant und würde uns einmal mehr von der Politik abhängig machen, statt uns in der Entwicklung unserer Höfe zu unterstützen. Ausserdem sind Änderungen im normalen politischen Prozess möglich. Wir wollen vorwärts gehen und die AP 22+ in die Hand nehmen; jetzt, nicht erst in zwei oder vier Jahren.