Agrarallianz Schweiz
27. Dezember 2019

Tierwohl im Einklang mit der Umwelt fördern

In der Agrarpolitik werden Tierwohl- und Umweltanliegen oft gegeneinander ausgespielt. Die Agrarallianz zeigt mit ihrem Positionspapier Tierwohl, wie Tiere und Umwelt gleichzeitig profitieren. Mit der AP22+ soll mehr geweidet werden, zusätzlich mehr Auslauf für Schweine und Geflügel realisiert und insgesamt sollen die Tierwohlprogramme deutlich gestärkt werden.

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Die Agrarallianz veröffentlicht eine Reihe von Positionspapieren zu Klima, Stickstoff, Pestiziden, Kostenwahrheit, Konsum und Biodiversität und nimmt damit Stellung zu agrarpolitischen Kernthemen. Im ersten publizierten Papier geht es ums Tierwohl.

Die Agrarallianz setzt sich für die Stärkung des Tierwohls ein und fordert gleichzeitig die Einhaltung der Umweltziele Landwirtschaft (UZL). Die Tierhaltung soll also die Umwelt schonen, für die Tiere artgemässe Lebensbedingungen bieten sowie für die Bauernfamilien ökonomisch attraktiv sein. Wie ist das möglich?

Die Agrarallianz zeigt einen möglichen Weg mit ihren inhaltlichen Positionen zur AP22+: Ziel ist eine tierfreundliche und artgerechte bäuerliche Nutztierhaltung (keine Massentierhaltung), die den Tieren täglich möglichst Weidegang/Vollweide oder zumindest Auslauf ermöglicht. Damit können Synergien betreffend Ammoniakreduktion ausgeschöpft werden. Mit der AP22+ sollen die Zielgrössen der Tierwohlbeiträge angehoben und zusätzliche Mittel für innovative und zukunftsfähige Projekte zur Verfügung gestellt werden (z. B. Muttergebundene Kälberaufzucht, Zweinutzungshühner). Gefordert wird eine standortangepasste Landwirtschaft, welche dem Kreislaufgedanken mit einer Herabsetzung des erlaubten Tierbestandes pro Fläche (DGVE = Düngergrossvieheinheiten von 3 auf 2.5 pro ha) Rechnung trägt. Das Motto «Feed no Food» ist konsequenter anzuwenden, die hofeigene Futtergrundlage steht im Vordergrund, Kraftfutterimporte sollen bis 2025 um 20 % reduziert werden.

Damit sich die Landwirtschaft in diese Richtung entwickelt, braucht es eine Förderung der Tierwohlleistungen über den Markt mit höheren Preisen und über den Staat mit ergänzenden Direktzahlungen. Das soll so erfolgen, dass Investitionen und der Mehraufwand der Produzenten und Produzentinnen zugunsten des Tierwohls fair entschädigt werden.

Die Tierwohlförderung in der Schweiz bedingt auch, dass der Schweizer Markt nicht mit billigen Produkten aus industrieller Massentierhaltung überschwemmt wird. Die Importe sollen den hohen Anforderungen des Schweizer Tierschutzgesetzes entsprechen und transparente Deklarations-vorschriften erfüllen.

 

 

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«Mit der Agrarpolitik 2022+ können für die vom Bund geförderten Bestrebungen zusätzliche finanzielle Mittel am Markt gelöst werden.» Das sagte IP-SUISSE-Geschäftsführer Fritz Rothen am Montag an einem Webinar der Agrarallianz. Wie Rothen vor VertreterInnen der Land- und Ernährungswirtschaft und dem Parlament ausführte, verbindet IP-SUISSE Biodiversität und Produktivität. «Allerdings stellen wir fest, dass gewisse Leistungen noch besser auf den Markt ausgerichtet werden können», so Rothen weiter. Die Agrarpolitik 2022+ helfe, indem sie nachhaltiger arbeitende Bauernfamilien unterstütze. «Deshalb brauchen wir die Agrarpolitik 2022+ jetzt, nicht erst 2026 oder 2030.»

Der Präsident des Bündner Bauernverbandes und der Konferenz der Bauernverbände des Berggebiets, Thomas Roffler, sagte, dass die Agrarpolitik 2022+ im Sinne des Berggebiets ausfällt, «sofern die administrativen Aufwände nicht noch stärker ansteigen und die Einkommensentwicklung verbessert wird.» Die Digitalisierung könne hier helfen. Wichtig sei ebenfalls eine bessere Positionierung mit Labelprodukten, so Roffler weiter. Gerade für das Berggebiet ist diese entscheidend. «Bei uns gilt: Klasse statt Masse.» Die Wechselwirkung von Markt und Politik sei deshalb im Berggebiet von grosser Bedeutung für die Einkommen, so Roffler weiter. «Einen Einkommensrückgang im Berggebiet könnten wir nicht akzeptieren.»

Für Jimmy Mariéthoz ist zentral, dass die Agrarpolitik 2022+ mehr Handlungsspielräume für Innovationen und die Positionierung am Markt schafft. Der Direktor des Schweizer Obstverbandes betonte, dass sich die Politik für die Obstproduzenten auf die Schaffung guter Rahmenbedingungen beschränken soll. «Wir wollen uns mit Mehrwerten am Markt positionieren und unsere Eigenverantwortung wahrnehmen. Die Agrarpolitik 2022+ kann uns dabei helfen. Allerdings sind noch einige Nachbesserungen notwendig», so Mariéthoz weiter.

Die Agrarpolitik 2022+ hilft den Organisationen der Land- und Ernährungswirtschaft, die Zukunft zielgerichtet und mit mehr Verantwortung zu gestalten. Dies zeigte Agrarallianz-Co-Präsident Martin Bossard in seinem Referat: Die Gesellschaft, die Politik, das internationale Umfeld entwickeln sich rasch. Die Agrarpolitik 2022+ nimmt den Handlungsbedarf zielgerichtet auf. Die AP 22+ ist – wo nötig – zu verbessern und schnell umzusetzen. Davon profitieren Mensch, Tier und Umwelt.